Peter Nennstiel
Zeitzeuge der Nachkriegsjahre


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Am 09. November 1989 passierte etwas, was ich nie für möglich gehalten hätte  In der DDR wurde der Wunsch nach Freiheit immer stärker. In vielen Städten demonstrierten im Herbst 1989 wiederholt bis zu 300.000 Menschen für mehr Freiheit und freie Wahlen. Die DDR-Regierung musste nachgeben. Am 9. 11. 1989 fiel die Mauer in Berlin. Jubelnd umarmten sich West- und Ostdeutsche. Die DDR begann sich aufzulösen.. Die Grenze zwischen BRD und DDR ist offen. Obwohl ich keine Familiären Bindungen und auch keine Bekannten in der DDR hatte, habe ich mich riesig gefreut.
Wir Deutschen erblickten alle die Freiheit, es war der Tag der Freudentränen. Niemals mehr habe ich soviel Glück gesehen.
Die Zeit der Mauermörder, Minenfelder und Selbstschussanlangen war ein für alle mal beendet. Nun begann das internationale Verhandlungsspiel in Moskau, in Paris, in London, in Washington. Am Ende war der Weg frei für die Wiedervereinigung. Altbundeskanzler Helmut Kohl und der ehemalige sowjetische Präsident Michael Gorbatschow gehörten nicht unbedingt zu meinen Sympathieträgern. Aber diese politische Leistung rechne ich beiden hoch an. Am 3. 10. 1990, seitdem der "Tag der deutschen Einheit", schlossen sich die Bundesrepublik und die DDR zur neuen größeren Bundesrepublik zusammen. Die DDR verschwand.


Mein neuer Arbeitgeber das Wasser und Schiffahrtsamt Bremen ist dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung nachgeordnet. Sie gliedert sich in eine Mittelinstanz und eine Unterinstanz. Die Mittelinstanz besteht aus 7 Wasser- und Schifffahrtsdirektionen in Kiel, Aurich, Hannover, Münster, Mainz, Würzburg und Berlin. Den Wasser- und Schifffahrtsdirektionen sind als Unterinstanz insgesamt 39 Wasser- und Schifffahrtsämter und 7 Neubauämter nachgeordnet. Den Wasser- und Schifffahrtsämtern sind regionale Außenbezirke sowie jeweils ein Bauhof zugeordnet. Zur Wasser- und Schifffahrtsverwaltung gehören außerdem noch 4 Bundesoberbehörden, die Bundesanstalt für Wasserbau in Karlsruhe, die Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz sowie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg und Rostock sowie die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung in Hamburg.

Zum WSA Bremen gehört der Außenbezirk 1 in Habenhausen, der Außenbezirk 2 in Farge sowie der Außenbezirk 3 in Oldenburg und die beiden Sammelplätze in Mittelsbüren und Hammelwarden.

Aussenbezirk Habenhausen 1991



Der Amtsbereich umfasst die Mittelweser: von der Grenze des WSA Verden Weser Km. 354,19  unterhalb der Horstedter Bucht bis Km.1,37 Eisenbahnbrücke Bremen, Ende der BinnenschiffahrtsstraßeDer Außenbezirk Habenhausen 1991nordnung.

Die Unterweser: von Km.1,37 Anfang der Seeschiffahrtsstrassenordnung bis Brake Käseburg.

Die Hunte: von der Mündung bis oberhalb der Schleuse Oldenburg beim Sperrtor Hundsmühlen im Küstenkanal.

Die Lesum und Wümme: bis zur Franzosenbrücke in Borgfeld.

Die Ochtum vom Sperrwerk bis zum Hardman Stau.
 
 




Oberhalb der Bremer Weser Schleuse


Mein erstes Schiff beim WSA die "Ochtumer Sand" mit dem Baujahr 1987 hatte eine Länge von 35 m. eine Breite von 9,00 m. Der Tiefgang betrug unbeladen 0,90 cm. Und beladen 2,00 cm. Es verfügte über zwei Schottelantriebe vorn und achtern mit je 200 Ps. Obenauf stehend befand sich ein 45 ton. schwerer Hydraulikbagger mit 325 Ps. für das laden und löschen von Schüttsteinen und sonstige Arbeiten. Die "Ochtumer Sand" war mit modernen nautischen Geräten ausgerüstet, unter anderen: Radar, Seefunk und Echolot. Bedingt durch die beiden vorn und achter angebrachten verstellbaren Schottel Ruderpropeller war sie wunderbar leicht zu manövrieren. Das Schiff konnte als Ufereinbaugerät, Transportschiff oder selbstfahrender Arbeitsponton genutzt werden. Wir die Stammbesatzung, haben uns gut verstanden. Da wir uns wie auf fast allen Schiffen des WSA selbst verpflegen mussten, haben wir gemeinsam gefrühstückt. Abends waren wir in der Regel ja wieder zu Hause. Einer von uns kaufte ein und brachte frische Brötchen mit. Ich deckte den Tisch kochte Kaffee und machte Frikadellen warm. Vier Jahre lang gab es Aldi Frikadellen "Meistermarke nach Hausfrauenart" mit einem Spiegelei oben drauf. Schmeckte sehr gut. Leider nahm Aldi dann diese Marke aus dem Sortiment. Die Nachfolge Frikadellen schmeckten uns gar nicht. Für die nächsten drei Jahre sind wir auf Bratwurst mit Spiegelei umgestiegen. Unser Motto war eben, am alt hergebrachten fest halten. Hatten wir Mitarbeiter von den Außenbezirken mit an Bord, war es eine große Ehre zu unserem traditionellen Frühstück eingeladen zu werden. Nach ca. sieben Jahren war es mit unserem berühmt berüchtigten Frühstück zu Ende.  Die "Ochtumer Sand" kam zum WSA Hamburg und fuhr dort als "Stader Sand". Wir bekamen die Fähre "Hoya" vom WSA Verden, nach gründlichen Umbauten hieß sie dann "Werderland". Auch die Zusammensetzung der Besatzung änderte sich. Ich wurde als Schiffsführer in die seemännische Reserve versetzt. Das bedeutete dass ich in Fällen von Urlaub, Krankheit oder Abwesenheit die Mitglieder der Stammbesatzungen in allen Außenbezirken vertreten musste. Eine interessante und abwechslungsreiche Tätigkeit. Dadurch wurde ich mit allen Wasserfahrzeugen des WSA Bremen vertraut. War aber immer sehr viel unterwegs.      

Auf der Werderland.

Während meiner Dienstzeit beim WSA wurde das neue Weserwehr und die Bremer Weserschleuse gebaut. Das Weserwehr reguliert in Bremen in etwa bei Weserkilometer 362 den Wasserstand der Weser. Es wurde von 1989 bis 1993 gebaut und am 10. Juni 1993 in Betrieb genommen. Es ersetzt das alte Wehr, das seit 1911 etwa 200 m oberhalb des neuen Wehres Stand. Die Bausubstanz des alten Wehres, war aufgrund des Alters und den Kriegseinwirkungen, (es war ein wichtiges Ziel der Alliierten  Bomberverbände) zu stark geschädigt. Das alte Wehr wurde während der Bauzeit und nach Fertigstellung des neuen Wehres abgebrochen. Mit Schaudern guckten viele Bremer Kinder einst von der schmalen, alten eisernen Wehrbrücke hinunter in die tosenden Fluten. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, das es für mich schon sehr interessant war, auch über die alte Staustufe mit dem Rad oder zu Fuß hinweg zu gehen. Man konnte den Schiffverkehr in der Schleuse beobachten, man konnte die Abflüsse der Weser beobachten. In den Wintermonaten, wenn hier 1000 Kubikmeter oder mehr die Weser hinunter rauschen, war das schon ein eindrucksvolles Schauspiel.