Peter Nennstiel

Zeitzeuge der Nachkriegsjahre


 

38991

Der Wert im Zähler, wurde aus meine Hompage, die ich 13 Jahre bei 1&1 hatte, übernommen.

Zeitzeuge der Nachkriegszeit

Ich freue mich, dass Sie meine Internet-Präsenz besuchen. Auf diesen Seiten möchte ich den Versuch einer Rückblende, meines sicher nicht uninteressanten Leben machen.

Änderungen, Anfragen,Lob oder auch  auch Kritik bitte an PeterNennstiel@web.de senden.

Meine Mutter, mein Vater und ich in Berlin Tirpitzufer Oberkommando der Kriegsmarine. (OKM)
Dienstsitz meines Vaters war das OKM in Berlin. Nach Ausbombung des Kommandogebäudes am Tirpitzufer im November 1943 wurde das Stabsquartier "Bismarck" in Eberswalde bezogen.


 

Berlin 1945, bei den schweren Luftangriffen, wurde ich im Februar zwei Jahre alt.

 

Berlin 1945, hier habe ich mit meiner Mutter im Luftschutzbunker "Humboldshain" überlebt.


Ein jüdischer Junge läuft nach der Befreiung im April 1945, durch das Konzentrationslager Bergen - Belsen.
Dieser traurige kleine Junge hätte auch ich sein können. Nur wurde ich in eine andere Familie hinein geboren. Er hat das KZ. überlebt und ich habe Phosphorbomben und Luftminen überlebt. Bis an mein Lebensende, werde ich mich dafür einsetzen, daß sich so etwas nie wiederholt. Die Erinnerungen dürfen nicht untergehen. Wir alle müssen uns immer vor Augen führen, welchen bitteren Weg das deutsche Volk damals gehen musste.
Für mich war der 8 Mai 1945 allerdings keine Befreiung, sondern ein Tag der Zerstörung und des Zusammenbruchs.
Wenn ich heute allerdings die Jahre zurück verfolge, muss ich leider feststellen, die Menschen lernen es nie, all die hehren Vorsätze und Absichtserklärungen haben, außer bei uns in Deutschland, nirgends auf der Welt etwas gebracht.
Ich denke in diesem Zusammenhang: an den Vietnamkrieg - an die Killing Fields der roten Khmer (Pol Pot) in Kambodscha -  die Kinder Soldaten in Afrika - und an das Gemetzel im Kosovo.
Diese Liste der Gräueltaten ließe sich unbegrenzt fortführen.

 

Diese Anzeige hat mich ebenso wie das o.a.  Bild des jüdischen Jungen, tief bewegt. 

 

Das letzte Aufgebot.

Der letzte Wehrmachtsbericht vom 09.Mai 1945

Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

In Ostpreußen haben deutsche Divisionen noch gestern die Weichselmündung und den Westteil der Frischen Nehrung bis zuletzt tapfer verteidigt, wobei sich die 7. Infanterie Division besonders auszeichnete. Dem Oberbefehlshaber, General der Panzertruppe von Saucken, wurde als Anerkennung für die vorbildliche Haltung seiner Soldaten die Brillanten zum Eichenlaub mit Schwertern zum Ritterkreuz verliehen.                                                                                                                                Als vorgeschobenes Bollwerk fesselten unsere Armeen in Kurland unter dem bewährten Oberbefehl des Generaloberst Hilpert monatelang überlegene sowjetische Schützen und Panzerverbände und erwarben sich in sechs Schlachten unvergänglichen Ruhm. Sie haben jede vorzeitige Übergabe abgelehnt. In voller Ordnung wurden mit den nach Westen noch ausfliegenden Flugzeugen nur Versehrte und Väter zahlreicher Kinder abtransportiert. Die Stäbe und Offiziere blieben bei ihren Truppen. Um Mitternacht wurden von deutscher Seite, den unterzeichneten Bedingungen entsprechend, der Kampf und jede Bewegung eingestellt.

Die Verteidiger von Breslau, die über zwei Monate lang den Angriffen der Sowjets standhielten, erlagen in letzter Stunde nach heldenhaften Kampf der feindlichen Übermacht.

Auch an der Südost und Ostfront von Fiume über Brünn bis an die Elbe bei Dresden haben alle höheren Kommandostellen den Befehl zur Einstellung des Kampfes erhalten. Eine tschechische Aufstandsbewegung in fast ganz Böhmen und Mähren kann die Durchführung der Kapitulationsbedingungen und die Nachrichtenverbindungen in diesen Raum gefährden. Meldungen über die Lage bei den Heeresgruppen Löhr, Rendulic und Schörner liegen beim Oberkommando der Wehrmacht zur Stunde noch nicht vor. Fern der Heimat haben die Verteidiger der Atlantikstützpunkte, unsere Truppen in Norwegen und die Besatzungen der Ägäischen Inseln in Gehorsam und Disziplin die Waffenehre des deutschen Soldaten gewahrt.

Seit Mitternacht schweigen nun an allen Fronten die Waffen. Auf Befehl des Großadmirals hat die Wehrmacht den aussichtslos gewordenen Kampf eingestellt. Damit ist das fast sechsjährige heldenhafte Ringen zu Ende. Es hat uns große Siege aber auch schwere Niederlagen gebracht. Die deutsche Wehrmacht ist am Ende einer gewaltigen Übermacht ehrenvoll unterlegen.

Der deutsche Soldat hat, getreu seinem Eid, im höchsten Einsatz für sein Volk für immer Unvergeßliches geleitet. Die Heimat hat ihn bis zuletzt mit allen Kräften unter schwersten Opfern unterstützt.

Die einmalige Leistung von Front und Heimat wird in einem späteren gerechten Urteil der Geschichte ihre endgültige Würdigung finden.

Den Leistungen und Opfern der deutschen Soldaten zu Lande, zu Wasser und der Luft wird auch der Gegner die Anerkennung nicht versagen. Jeder Soldat kann deshalb die Waffe aufrecht und stolz aus der Hand legen und in den schwersten Stunden unserer Geschichte tapfer und zuversichtlich an die Arbeit gehen für das ewige Leben unseres Volkes.

Die Wehrmacht gedenkt in dieser schweren Stunde ihrer vor dem Feind gebliebenen Kameraden. Die Toten verpflichten uns zu bedingungsloser Treue, zu Gehorsam und Disziplin gegenüber dem aus zahllosen Wunden blutenden Vaterland.


 Vor sechzig Jahren: Direktive JSC 1067 der US-Streitkräfte.    Am 26. April 1945 wird der Entwurf der Direktive JSC 1067 an das alliierte Oberkommando ausgegeben, welche am 14. Mai für alle US-Soldaten gilt. "Deutschland" wird nicht besetzt zum Zwecke der Befreiung, sondern als besiegte Nation. Freundschaftlicher Verkehr mit der Bevölkerung wird streng mißbilligt. Als Ziel wird nicht die Unterdrückung, sondern die Besetzung Deutschlands angegeben, um gewisse Absichten zu verwirklichen-Entmilitarisierung, Entnazifizeirung in Verwaltung und vor allem Bildungseinrichtungen, Entflechtung der Großkonzerne, Demokratisierung.             


Vor sechzig Jahren: Briten übernehmen Rheinwiesenlager. Am 12. Juni 1945 werden zwei große Kriegsgefangenenlager der US-Amerikaner (US-Prisoner of War Transient Enclosures, PWTE) an die britische Militärverwaltung übergeben. Rheinberg mit 94.788 und Wickrathberg mit 84.370 Gefangenen. In diesen beiden von insgesamt mehreren Dutzenden Lagern, die im April eingerichtet wurden, ließen die Amerikaner die Soldaten unter freiem Himmel ohne sanitäre Anlagen vegetieren und sterben. Die Briten verteilten dagegen sofort Decken und Liegematten und richteten Waschräume und Toiletten ein.

Vor sechzig Jahren: Flüchtlingsschutz nicht für Deutsche. Am 26. Juni 1945 wird in San Franzisko die Charta der Vereinigten Nationen verabschiedet. Am Rande der Konferenz wird vereinbart, daß deutsche Flüchtlinge und Umsiedler vom Rechtsstatus der Displaced Persons ausgeschlossen werden, da sie "Angehörige das für Krieg und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlichen Tätervolks" seien. Damit bleiben ihnen internationaler Schutz und Fürsorgemaßnahmen vorenthalten. Am selben Tage verkündet "Edward Orchab, polnischer Minister für die wiedergewonnenen  Gebiete" die Vertreibung der Deutschen.

 

Vor sechzig Jahren: Schweden liefert Deutsche Soldaten in den sichern Tod aus. Am 16. Juni 1945 gibt Schweden unter Ministerpräsident Per Albin Hansson der sowjetischen Forderung nach und erklärt die Bereitschaft, 2000 Wehrmachtssoldaten gegen internationaler Abkommen an die Sowjetunion auszuliefern. Unter diesen nach dem 8. Mai 1945 aus dem Kurlandkessel über die Ostsee geflohenen Soldaten befanden sich auch estnische und lettische SS-Angehörige. Alle vor dem 1. Mai (Deserteure) in den Internierungslagern Rännestedt und Backamo angekommenden Soldaten werden später in die britische Besatzungszone abgeschoben.


60. Jahrestag des Kriegsendes. Am 08. Mai 2005 ein Bündnis zwischen Politik und Klamauk.

Deutsche Politiker und Intellektuelle, die sich für maßgeblich halten, hatten zuletzt die Frage aufgeworfen, ob es erlaubt und angemessen sei, am 08. Mai 2005 auch den deutschen Kriegsopfern zu gedenken. Eine perverse, anderswo undenkbare Fragestellung. Bundespräsident Horst Köhler hat eine Antwort darauf gegeben. Mit dem Satz :"Unsere ganze Geschichte bestimmt die Identität unserer Nation. Wer einen Teil davon verdrängen will, der versündigt sich an Deutschland" wandte Köhler sich gegen NS-verharmloser als auch gegen diejenigen, welche die deutsche Geschichte auf die NS-Zeit verengen wollen.

Die vielen Publikationen, Fernsehsendungen und Veranstaltungen in den Wochen vor dem 08.Mai zeigten , das die Sorge, ein "Schlußstrich" würde  die Aneignung der eigenen Geschichte unterbrechen, unbegründet ist. Und das ist gut so. Denn parallel dazu greifen das Gefühl und die Erkenntnis um sich, daß der Rahmen der einseitigen Geschichtsdidaktik morsch ist. Diejenigen, die von einer ins Unendliche verlängerten "Vergangenheitsbewältigung" neues Futter für ihren hochmütigen Nationalmasochismus erhoffen, werden womöglich ihr blaues Wunder erleben. Bundespräsident Köhler wollte mit seiner Rede vor dem Bundestag auch die aktuelle deutsche Schockstarre beheben, zu der die "Tätervolk" Ideologen nicht wenig beigetragen haben. Wie nötig das ist, zeigte am 08. Mai das "Fest der Demokratie" im Zentrum Berlins, das einem beliebigen Jahrmarksfest glich. Statt stolzer Bürger die selbstbewusst den öffentlichen Raum in Besitz nehmen und gestalten, sah man Schnäppchenjäger zwischen Würstchenbuden und Politklamauk umherirren.

Die Grünen-Politikerin Claudia Roth, die diese Tage 50 wird, trug um den Hals ein rotes Band mit der Aufschrift "Kein Sex mit Nazis". Die Gewerkschaft Ver.di schenkte Kakao aus und verkündete auf einem Schild: Braun ist flüssig oder überflüssig". Kleinigkeiten, in denen das Niveau der Anständigen sich offenbarte. 
Die schönen Cafes auf dem Boulevard unter den Linden warteten indes vergeblich auf Besucher. Das Fehlen einer kultivierten Festlichkeit, einer würdigen Sprache, die Unfähigkeit zum Genuss stehen für den mentalen Zustand des Landes.
Vier junge "Antifaschistinnen", voll wie die Feldhaubitzen, jagten auf Fahrrädern in Richtung Brandenburger Tor und ließen brüllend und kreischend die "internationale Solidarität" hochleben. Verwirrte Kinder, denen die Angst  vor der Zukunft im Nacken saß.
An der Schlossbrücke hatten sie sich zu einer schwarzgewandeten Masse verdichtet, die eine politisch unerwünschte, aber legale Demonstration blockierte. Eine selbstsichere Bürgergesellschaft hätte den Zug passieren lassen und ignoriert.
Wenn das politisch-korrekte Kollektiverlebnis wenigstens die Furcht in Lebensfreude verwandelt hätte!
Statt dessen lag etwas Bedrohliches über diesem Bündnis zwischen Politik und Mob: die geile Erwartung des Lynchbefehls.
Ein Land das sich befreit fühlt, stellt sich anders dar.


Peter Nennstiel wurde 1943 in Wesermünde jetzt Bremerhaven geboren. Die Mutter lebte mit dem Kapitänleutnant am Oberkommando der Marine (OKM) Peter Engel ohne Trauschein zusammen. Bis zum Kriegsende lebten wir an den Einsatzorten meines Vaters in Berlin und Britz bei Eberswalde. Das Ende des Dritten Reich, erlebte ich mit meiner Mutter in den Luftschutzbunkern der untergehenden Reichshauptstadt und in einem Panzerspähwagen der uns durch die Beziehung meines alten Herrn nach Schleswig - Holstein brachte. Meine panische Angst bei Explosionen, müssen noch ein Andenken dieser schlimmen Zeit sein, für Erinnerungen war ich noch zu jung. Solche frühkindlichen, tiefgreifenden Erlebnisse haben Folgen für das ganze Leben. Wesentliche Verhaltensmuster meines späteren Lebens, haben sicher hier ihre Ursache.
Mein Vater hat aus seiner rechten Ideologie nie ein Hehl gemacht, er hatte sogar die Entnazifizierungsformulare der amerikanischen Besatzungsmacht wahrheitsgemäß ausgefüllt. Trotzdem, oder gerade deswegen wurde er sofort nach Kriegsende von der amerikanischen Militärpolizei als Dolmetscher eingestellt. Hungern, wie so viele Deutsche  brauchten wir nicht.

Deutsche Polizisten und Militär Polizei des US. Navy Provost kontrollieren im Hafen von Bremerhaven.

 


Meine erste Erinnerung an die fremden Soldaten werde ich nie vergessen, ein Farbiger, wobei farbig maßlos untertrieben ist, der gutmütige Mann war so schwarz wie die Hölle,  wollte mir kleinem Knirps eine Apfelsine schenken. Voller Angst habe ich gegen sein Schienbein getreten und bin laut schreiend nach Hause gelaufen. Ich hatte noch nie einen Schwarzen gesehen und eine Apfelsine kannte ich auch nicht und die englischen Worte, jagten mir Angst ein.
Leider erkrankte meine Mutter an Multipler Sklerose und starb nach mehreren Jahren einen schlimmen Tod. Mein Vater ging ohne mich nach Amerika und ich wurde von meiner Großmutter und nach ihrem Tod, von verschiedenen Pflegeeltern erzogen. Ich besuchte als ziemlich schlechter Schüler acht Klassen in der Volksschule. die Lehrkräfte waren fast alle älter und kriegsversehrt, junge Lehrer gab es noch nicht, die waren alle noch in Gefangenschaft oder gefallen.

Ich strebte schon immer in die Ferne und träumte von der weiten Welt. Meinen Wunschberuf als Seemann durfte ich noch nicht ergreifen. Meine Pflegeeltern beschlossen mich im April 1957 bei der "Bremen-Mindener Schiffahrts AG" einer Binnenschiffsreederei in die Lehre zu geben. Ich kam auf einen Schleppkahn, von denen es zu der Zeit noch viele gab. Die Unterbringung an Bord war sehr primitiv, wir schliefen auf Strohsäcken, es gab Petroleumlampen, kein fließendes Wasser, Kohleofen. So würde man heute Asylbewerber nicht mehr unterbringen. Die Arbeitszeit begann morgens mit dem Tageslicht und endete mit dem Einbruch der Nacht. Zwei Tage und Nächte durcharbeiten war an der Tagesordnung. Wenn wir an einem Seeschiff laden oder löschen mussten, passierte es häufig. Als Schiffsjunge bekam ich 260,- DM. Heuer, das reichte knapp zum sattessen. Verpflegen mussten wir uns selber. Wenn ich bei einem Kneipenbummel etwas zuviel ausgab, musste ich oft bis zum nächsten Vorschuss hungern. Trotz allem negativen, war es doch eine schöne Zeit. Die von der Form wunderschönen Raddampfer mit den Schleppkähnen meilenweit hinter sich. Solch eine Kameradschaft unter den Schiffsbesatzungen habe ich in meinem späteren Leben nie wieder erlebt. Das öffentliche Leben erlebten wir in den Gaststätten zwischen dem Unterweser und Ruhrgebiet. Während unseren Reisen in die sowjetische Besatzungszone und später in die DDR. erlebte ich den Wahnsinn von kaltem Krieg, Mauerbau und schikanösen Grenzkontrollen.
Mein fester Wille, mit 18 Jahren Seemann zu werden hat mir sehr geholfen. Nach dem Besuch einer Internatsberufsschule habe ich 1960 meine Matrosenprüfung bestanden. Ich hatte immerhin eine abgeschlossene Lehre und die Gesellenprüfung bestanden.

Mein alter Personalausweis