Peter Nennstiel

Zeitzeuge der Nachkriegsjahre

Seite 13


Landesparlament Bremen (Bürgerschaft)


 Seeleute sind von Haus aus schon immer sehr konservativ gewesen. Die Hirachie an Bord, (erst kommt Gott und dann der Kapitän) haben diese Eigenschaft wohl sehr geprägt.

Mit aus diesem Grund gehörte ich Mitte der 80ziger Jahre zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Volks Union (DVU) auf einer Mitgliederversammlung am 18. März 1991 wurde ich als Kandidat für die Bremische Bürgerschaft (Landtag) vorgeschlagen und auch gewählt. Nach einem mit 2 Millionen DM. von der Bundespartei gesponserten Wahlkampf, trat das ein, was keine der etablierten Parteien für möglich gehalten hat, die DVU ereichte bei der Landtagswahl 6,2 %. Das bedeutete 6 Sitze (eine Fraktion) im Landesparlament und 4 Sitze in der Stadtbürgerschaft. Auf Beiratsebene bekamen wir soviel Sitze, dass wir für die einzelnen Stadtteile nur wenige Kandidaten benennen konnten.

Nun ja, für die   Wahlperidiode 1991 – 1995 wurde ich Abgeordneter in der Bremischen Bürgerschaft. Das Leben ist voller Überraschungen.

Mir war von Anfang an klar, dass selbstverständlich nicht jeder meine politische Einstellung teilt. Aber das was ich in den vier Jahren als Abgeordneter in den Sitzungen der Bürgerschaft erlebte, hätte ich früher nie für möglich gehalten. Die Volksvertreter der etablierten Parteien waren nur damit beschäftigt, uns mit Lügen, Intrigen und Diffamierungen zu bekämpfen. Vollmundig wurde die Bevölkerung mit dem Satz: Wir setzen uns mit der DVU politisch auseinander, belogen. Das mag ich! Durch die gesamte menschliche Geschichte führt ein breiter Pfad, den paranormale Hohlköpfe mit ihren pathetischen Zitaten gepflastert haben. Beiderseits des Pfades liegen ihre Opfer.

Einige Beispiele: Auf Grund mangelnder Kandidaten, konnten wir nicht alle Deputationen und Ausschüsse besetzen. Es folgte eine Pressekampagne mit dem Motto: DVU Abgeordnete sind faul und arbeiten in den Ausschüssen nicht mit.

Um wenigstens in den wichtigsten Ausschüssen präsent zu sein, musste jeder von uns mehrer Deputationen besuchen. Es folgte die Pressekampange: DVU Abgeordnete bereichern sich an den Sitzungsgeldern.

Als ich in Begleitung meiner Ehefrau zu einer Sitzung in die Bürgerschaft ging, wurden wir von vermummten Chaoten mit Farbbeutel beworfen. Daraufhin habe ich meiner Frau und mir die versaute Kleidung und um die Farbe aus den Haaren zu bekommen den Frisör aus Fraktionszuschüssen bezahlt. Es folgte die Pressekampagne: Abgeordneter Nennstiel kauft mit Steuergeldern seiner Frau neue Kleidung.

Das war die sogenannte politische Auseinandersetzung. Sämtliche von uns eingebrachten Anträge, wurden prinzipiell einstimmig abgelehnt. Allerdings muss ich gestehen, dass einige Anträge mit Sicherheit nicht in mein politisches Weltbild passten.

 Wenn sie gut waren, konnte es passieren dass sie wenig später mit leicht verändertem Text von den etablierten Parteien neu eingebracht wurden.

 

 

                   Handbuch der Bürgerschaft.


Da ich bei einer Bundesbehörde beschäftigt war, wurde sogar das Gerücht verbreitet: Der Abgeordnete Nennstiel, ist V Mann beim Verfassungsschutz. Ich habe auf meiner Arbeitsstelle immer Dienst und Politik getrennt. Lobenswerter Weise habe ich von dort auch nie irgendwelche Nachteile wegen meiner politischen Einstellung erfahren. Was man von den  hundert Volksvertretern im Landtag und auch von der Bürgerschaftsverwaltung nicht sagen kann. Vier Jahre war ich dort eine Persona no Grata. 1993 bin ich dann wütend über meine zentralistisch und autokratisch geführte Partei ausgetreten. Leider war damit auch der Fraktionsstatus der DVU weg. Vier Abgeordnete sind keine Fraktion mehr.
Nachgefragt.
 Ausgetreten Peter Nennstiel (50) ist nach eigenen Angaben Gründungsmitglied des DVU - Landesverbandes Bremen gewesen. Nach sechs Jahren trat er aus Partei und Bürgerschaftsfraktion aus.
 taz Warum sind sie aus Partei und Fraktion ausgetreten. Peter Nennstiel: Es gab Differenzen, die waren nicht zu beheben.
Welche Differenzen waren das?
In der politischen Zielsetzung. Ich gehöre immer noch ins rechte Lager, nur eben gemäßigt. Das ist der Punkt.
Wie lange tragen Sie sich schon mit dieser Absicht. Schon länger.
 Wie ist das in der Restfraktion aufgenommen worden? Mit Bedauern, und teilweise auch mit Ärger. Das kann man nun mal nicht ändern.
Hat Ihr Entschluss mit dem Einfluss der Münchener Parteizentrale auf die Bremer Fraktion zu tun?
Ach wissen Sie, da kursieren viele Halbwahrheiten. Sicher haben wir uns mal aus der Münchener Zentrale informieren lassen und sachkundig gemacht. Aber was da behauptet wird, das die Reden alle aus München kommen, das ist nicht richtig.
 Hat der Tod von Karl-Heinz Vorsatz das Klima in der Fraktion verändert? Ja genau, seit diesem Tage hat sich das Klima verschlechtert.
Woran liegt das?
An den politischen Differenzen. Ich will Ihnen ein Beispiel sagen, die Todesstrafe. Ich bin Pazifist und ein Gegner der Todesstrafe. Ich kann doch solche Anträge nicht unterstützen.
 Sie sind ja schon lange in der DVU, was hat sich denn geändert, das Sie jetzt ausgetreten sind? Das ist so eine Sache. Ich vermisse Sachpolitik, Kommunalpolitik. Ich konnte das nicht mehr mittragen und wollte nicht als Radikaler abgestempelt werden. Wenn da einmal eine Debatte über Asylproblematik gemacht wird, ist das in Ordnung, aber wenn jetzt bei jeder Sitzung nur immer auf das Thema Asyl herumgeritten wird, dann verliert das an Glaubwürdigkeit.              

                        Fragen: mad        

Beim Bau des neuen Weserwehrs sind 1990 zwei Arbeiter mit ihrem Boot tödlich verunglückt. Einer wurde nie gefunden. Im Februar 2002 passierte noch ein tragischer Unglücksfall am Weserwehr, bei dem zwei Kollegen mit ihrem Arbeitsboot in einer starken Strömung über das Wehr trieben. Ein Kollege überlebte das Unglück nicht. Seit ca. 15 Jahren wurde immer wieder der Bau eines neuen Wasserkraftwerks geplant und in Aussicht gestellt. Hurra, im April 2008 soll Baubeginn sein. Aber den Baubeginn werde ich nur noch von einer Bank des Uferparks erleben. Seit den 28.02.2008 bin ich mit 65 Jahren Rentner. Leider war mein Abschied nach fast 20 Jahren Dienstzeit nicht schön. Der Außenbeamte, mein Vorgesetzter musste mir noch kurz vor meiner Pensionierung einige unschöne Bemerkungen mit auf den Weg geben.

 Zitat: Sie machen so wie so, was sie wollen. Ich bin froh, wenn sie in Rente gehen und weg sind. Zitat Ende.

Ich hatte für meinen Abschied eine kleine Party geplant, mit Chicken Curry und Getränken. Mein Vorgesetzter wäre natürlich auch erschienen und hätte entgegen seiner wahren Meinung eine Lobrede gehalten. Damit er aus seinem Herzen keine Mördergrube machen muss, habe ich die Party abgesagt. Für meine Kollegen mit denen ich immer freundschaftlich verbunden war, tut es mir sehr leid. Jungs ich hoffe ihr versteht mich.
  Da ich mich noch nicht zum alten Eisen zähle, habe ich mich am 01.03.2008 selbstständig gemacht. Ich bin Inhaber eines Kurierdienstes, am Anfang war es nur ein Test, aber nachdem das Geschäft so gut läuft, habe ich es als Gewerbe angemeldet.
Nemextrans Kurierdienst Peter Nennstiel Burgdammerstr.28 - 28717 Bremen Telefon: 0421 6659398 Mobil: 0175 8293299 Fax: 0321 22802194
  nemextrans@email.de 


    Zum Abschluss folgendes: Es blieb mir erspart, in einen Krieg zu ziehen. Ich habe mir bei der Arbeit keinen Knochen gebrochen. Ich hatte nie einen nennenswerten Autounfall. Kein Schiff ist mit mir an Bord versunken. Keine Frau hat mir wirklich das Herz gebrochen. Ich bin kein reicher Mann, aber ich hatte Glück. Als Kriegskind hatte ich die Währung Glück und Gott. Geld ist nicht mein Gott. Glück ist mein Gott.


Im 13. Jahrhundert gab es das Dorf Büren. Durch Veränderung im Verlauf der Weser im Mittelalter kam es zu Trennung der Ortsteile Hasenbüren und Lewenbüren, die heute links der Weser liegen, sowie Mittelsbüren und Niederbüren, nunmehr am rechten Weserufer im  Goh Wederland. Als in den 1950er Jahren die Klöcknerwerke in Bremen das Klöckner Stahl Werk errichten wollten, wurde der größte Teil Mittelsbürens in das dafür benötigte Gelände einbezogen ünd die dort befindlicher Häuser abgerissen.

Die direkt an der Weser am Rande des Ortes gelegene Moorlosen Kirche sowie einige Gebäude wurden erhalten. Die Bürener Bauern wurden großügig entschädigt. Viele von ihnen steckten ihr neues Kapital in Anleihen als Schiffs Paten. Das Dorf wurde abgerissen, große Teile wurden aber gar nicht benutzt sondern nur weiträumig abgezäunt. Wir vom Wasserschiffahrts Amt Mittelsbüren hatten Überwegegungsrechte. In den Gärten ehemaliger Höfe, standen noch die alten verwilderten Obstbäume. Im Hochsommer habe ich meine Nachbarschaft in Burglesum, mit Obst aus dem alten Dorf Mittelsbüren versorgt.

 

 

 

Nur wenige Bremer kennen die Moorlosen Kirche. In Schiffahrtskreisen, kennt sie dem Namen nach jeder. Moorlosen Kirche ist ein Meldepunkt für die Revierzentrale und beim passieren muß auf die UKW Kanäle der Stadtbremische Häfen umgeschaltet werden.